Entsiegelung

Entsiegelung

Wasser managen, Lebensräume verbessern

Entsiegelung

Entsiegelung ist weit mehr als der Rückbau von Asphalt und Beton. Sie ist ein zentraler Baustein für klimaangepasste Städte und Gemeinden, für funktionierende Wasserkreisläufe und für eine nachhaltige Entwicklung kommunaler Infrastrukturen.

Angesichts zunehmender Starkregenereignisse, längerer Hitzeperioden und steigender Anforderungen an die Regenwasserbewirtschaftung gewinnt das Thema bundesweit an Bedeutung. Für Kommunen stellt sich dabei nicht nur die ökologische, sondern auch die technische und wirtschaftliche Frage, wie Entsiegelung dauerhaft funktional umgesetzt werden kann.

Teilentsiegelung Radweg bei Kempten

Teilentsiegelung Radweg bei Kempten

Was bedeutet Entsiegelung?

Unter Entsiegelung versteht man die Rückführung versiegelter Flächen in einen wasserdurchlässigen Zustand. Ziel ist es, Niederschlagswasser wieder ortsnah versickern zu lassen, anstatt es vollständig über die Kanalisation abzuleiten.

Dabei reicht es nicht aus, lediglich die Oberfläche auszutauschen. Entscheidend ist ein dauerhaft funktionsfähiger Systemaufbau aus Tragschicht, dynamischer Zwischenschicht und Deckschicht. Nur wenn alle Schichten hydraulisch und mechanisch aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine belastbare und langfristig stabile Lösung.

Im Rahmen kommunaler Planungen umfasst Entsiegelung typischerweise:

  • den Rückbau wasserundurchlässiger Beläge wie Asphalt, Beton oder dicht verfugtes Pflaster,
  • die Herstellung versickerungsfähiger Tragschichten,
  • den Einsatz wasserdurchlässiger Bodenbeläge,
  • die Integration in ganzheitliche Regenwasser- und Freiraumkonzepte sowie
  • die Einbindung in blau-grüne Infrastruktur.
Entsiegelung Wirtschaftsweg

Teilentsiegelung Wirtschaftsweg

Warum ist Entsiegelung für Kommunen so relevant?

Versiegelte Flächen unterbrechen den natürlichen Wasserkreislauf. Die Folgen betreffen Kommunen unmittelbar:

  • Überlastung der Kanalisation bei Starkregen,
  • steigende Investitionskosten für Rückhalte- und Ableitungssysteme,
  • sinkende Grundwasserneubildung,
  • Aufheizung dicht bebauter Siedlungsbereiche,
  • Verlust ökologischer Bodenfunktionen.

Am Beispiel des Landes Baden-Württemberg zeigt sich die Dimension deutlich. Dort sind rund 220.000 Hektar Fläche versiegelt. Das entspricht etwa 6,2 Prozent der Landesfläche. Knapp die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsflächen ist wasserundurchlässig ausgebaut.

In Großstädten wie Mannheim und Stuttgart liegt der Versiegelungsgrad bei rund 30 Prozent, im ländlichen Raum bei etwa vier Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Entsiegelung eine strategische Aufgabe der kommunalen Infrastrukturentwicklung darstellt und eng mit der Umsetzung von blau-grüner Infrastruktur verknüpft ist.

Teilentsiegelung Radweg

Teilentsiegelung Radweg

Vollständige Entsiegelung oder Teilentsiegelung

Bei einer vollständigen Entsiegelung wird eine Fläche komplett zurückgebaut und in eine Grün- oder Versickerungsfläche umgewandelt. Hier kann das Niederschlagswasser unmittelbar in den Boden eindringen.

Die Teilentsiegelung hingegen erhält die Nutzbarkeit einer Fläche, beispielsweise als Weg, Platz oder Parkplatz. Durch den Einsatz wasserdurchlässiger Bodenbeläge wird eine Versickerungs- und Verdunstungsfähigkeit wiederhergestellt, ohne die funktionale Nutzung aufzugeben.

Typische Lösungen sind:

  • wassergebundene Wegedecken,
  • versickerungsfähige Naturstein- oder Kiessysteme sowie
  • offenporige Beläge mit durchlässigem Unterbau.

Gerade für Schulhöfe, Wege und Plätze, Radwege und Parkplätze stellt die Teilentsiegelung eine wirtschaftlich sinnvolle Option dar. Teilentsiegelung trägt zudem zur nachhaltigen Gestaltung blau-grüner Infrastruktur bei, indem sie Regenwasser vor Ort speichert und den Bodenwasserkreislauf unterstützt.

Entsiegelung Stadtplatz

Teilentsiegelung Stadtplatz

Förderprogramme als Unterstützung kommunaler Maßnahmen

Viele Bundesländer unterstützen Entsiegelungsmaßnahmen finanziell. In Baden-Württemberg wurde beispielsweise eine Entsiegelungsprämie eingeführt.

Gefördert werden bis zu 40.000 Euro für die vollständige Entsiegelung kommunaler Flächen sowie bis zu 24.000 Euro für eine Teilentsiegelung durch Umrüstung auf wasserdurchlässige Bodenbeläge

Auch andere Bundesländer und Regionen bieten vergleichbare Förderprogramme zur Entsiegelung an. Da sich Bedingungen und Förderhöhen regelmäßig ändern, empfiehlt sich eine frühzeitige Prüfung der jeweiligen Landesrichtlinien.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Einschätzung, welche Maßnahmen förderfähig sind und wie eine technisch geeignete Lösung aussehen kann.

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Warum der systemische Schichtenaufbau entscheidend ist

Entsiegelung wird häufig auf den Austausch einer wasserundurchlässigen Oberfläche gegen einen wasserdurchlässigen Bodenbelag reduziert. Für eine dauerhaft funktionsfähige und klimaangepasste Fläche reicht dies jedoch nicht aus. Entscheidend ist der gesamte Aufbau von der Tragschicht bis zur Deckschicht.

Ein systemisch abgestimmter Schichtenaufbau übernimmt dabei mehrere Aufgaben gleichzeitig. Er ermöglicht die schnelle Versickerung von Niederschlagswasser, speichert Feuchtigkeit im System und reguliert den Wasserhaushalt auch in Trockenperioden. Damit wird Entsiegelung nicht nur zu einer Maßnahme der Entwässerung, sondern zu einem aktiven Beitrag zur Klimaanpassung und zur Umsetzung blau-grüner Infrastruktur.

Im offenporigen Wegebau kommen dynamische Zwischen- und Tragschichten zum Einsatz, die hydraulische Durchlässigkeit mit kapillaren Eigenschaften verbinden. Wegemischungen wie die dynamische Zwischenschicht HanseMineral® oder die HanseGrand Hydrotragschicht® schließen die funktionale Lücke zwischen Tragfähigkeit und Wassermanagement.

Drei-Schicht-Aufbau mit HanseMineral
Drei-Schicht-Aufbau mit HanseMineral®

Wassermanagement in zwei Richtungen

Das ausgewogene Kornband ermöglicht eine schnelle Ableitung von Niederschlagswasser in tiefere Schichten. Die Oberfläche trocknet nach Regenfällen schnell ab und bleibt nutzbar. Gleichzeitig verfügen diese Schichten über Speicher- und Puffereigenschaften.

In Trockenperioden wird gespeichertes Wasser über feine Kapillaren wieder nach oben transportiert. Dadurch bleibt die Deckschicht feuchtestabil, Staubbildung wird reduziert und die Oberflächentemperatur bei intensiver Sonneneinstrahlung gesenkt. Die Verdunstung des gespeicherten Wassers trägt zu einer messbaren mikroklimatischen Entlastung bei.

Neben dem Wasserhaushalt ist die mechanische Stabilität von zentraler Bedeutung. Dynamische Zwischenschichten schließen die Kornlücke zwischen Tragschicht und Deckschicht und schaffen einen filterstabilen Übergang. Wasser kann passieren, Feinanteile werden jedoch nicht ausgespült.
Dies erhöht die Scherfestigkeit, verbessert die Lastverteilung und sorgt für dauerhaft ebene und belastbare Oberflächen, auch bei höherer Beanspruchung.

Dynamische Zwischenschicht HanseMineral
Dynamische Zwischenschicht HanseMineral® schließt die Kornlücke

Entsiegelung als strategischer Baustein kommunaler Klimaanpassung

Entsiegelung dient nicht nur der Regenwasserbewirtschaftung. Gut geplant und umgesetzt sorgt sie dafür, dass Wasser versickert, gespeichert wird, über Kapillaren zurückgeführt wird und die Fläche gekühlt bleibt.

So entstehen Flächen, die die Kanalisation entlasten, Hitze reduzieren und dauerhaft nutzbar sind. Gleichzeitig unterstützt Entsiegelung die Klimaanpassung und die Gestaltung von blau-grüner Infrastruktur.

Schwammstadt in Berlin

Schwammstadtprojekt in Berlin Friedrichshain

Entsiegelung für private Grundstücke

Nicht nur Kommunen profitieren von einer Entsiegelung, auch auf privaten Grundstücken lohnt sie sich. Durch wasserdurchlässige Beläge oder Teilentsiegelung kann Regenwasser direkt versickern, was den Bodenwasserkreislauf unterstützt und Überflutungen vorbeugt. 

Da ein großer Teil der deutschen Kommunen  inzwischen gesplittete Abwassergebühren, also getrennt für Schmutz- und Niederschlagswasser, erhebt, kann eine Entsiegelung in diesen Gemeinden direkt dazu beitragen, die Gebühren für das in die Kanalisation eingeleitete Regenwasser zu reduzieren. Dadurch wird Entsiegelung nicht nur ökologisch, sondern in vielen Fällen auch finanziell relevant für Eigentümer.

Ein weiterer Vorteil: Ohne Entsiegelung müssen Grundstücke oft zusätzliche Mulden, Versickerungsbecken oder Regenrinnen vorsehen, um Starkregen kontrolliert abzuleiten und Überschwemmungen zu verhindern. Bei entsiegelten Flächen kann das Wasser direkt im Boden versickern, sodass solche Maßnahmen meist entfallen. Dadurch wird wertvoller Raum für die eigentliche Nutzung frei und es kann auf weniger Gesamtfläche mehr gebaut werden, ohne die Umwelt zu belasten.

Smartcity Entsiegelung

Entsiegelung Stellplätze in der Smartcity, Harsefeld

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